Die Geschichte des Münchner Oktoberfests (Wiesn) von 1810 bis heute

30. August 2009

In wenigen Tagen lädt München wieder ein zum größten Volksfest der Welt – dem Oktoberfest. Zum 199. Mal jährt sich in diesem Jahr das Spektakel seit seinem Debüt als Hochzeitsgeschenk an den Bayrischen König Ludwig I.

Oktoberfest München

Wir blicken auf eine lange traditionsreiche und zumeist fröhliche Wiesn-Geschichte zurück, wenngleich manchmal überschattet von Kriegen, Krisen und Anschlägen. Lest hier, was seit dem ersten Oktoberfest im Jahr 1810 alles geschah:

Wiesn_Therese1810: Am 17. Oktober findet das erste Oktoberfest statt. Anlässlich der Hochzeit von Kronprinz Ludwig, dem späteren König Ludwig I. von Bayern und seiner Gemahlin Prinzessin Therese Charlotte Luise Friederike Amalie von Sachsen-Hildburghausen, später Königin Therese von Bayern am 12. Oktober des Jahres veranstalten die Münchner ein Pferderennen auf einer Wiese vor den Toren der Stadt. Das Festgelände – benannt nach der Prinzessin – heißt bis heute Theresienwiese, im umgangssprachlichen einfach „Wiesn“.

1811: Im zweiten Jahr richtet der „Landwirtschaftliche Verein in Bayern“ das Fest aus. Neben dem Pferderennen können die Gäste das Landwirtschaftsfest besuchen, eine Ausstellung zur „Hebung der bayerischen Agrarwirtschaft“, das bis heute alle drei Jahre während des Oktoberfests noch in Form des Zentrallandwirtschaftsfests fortgeführt wird.

1813: Wegen der Teilnahme Bayerns an den napoleonischen Kriegen entfällt das Oktoberfest.

1816: Aus Wohltätigkeit entsteht die Idee, den Leuten vom Land, die unter der Verteuerung des Getreides finanziell sehr leiden, mittels einer Lotterie Waren zu schenken. Als Preise verlost man Porzellan, Silber, Schmuck, Pfeifenköpfe und Strümpfe unter den Bedürftigen. Als Trostpreise gibt es kleine Königsbilder. Die Tradition setzt sich in den kommenden Jahren fort. Die königliche Familie kauft in besonders schlechten Jahren große Mengen der Lose, die sie dann an die Armen verteilt. Die heutigen „Glückshafen“ resultieren aus diesen Wohltätigkeits-Lotterien.

Pferderennen auf der Theresienwiese1818: Das erste Karussell wird aufgestellt. Davor gibt es neben dem Pferderennen bereits Schaukeln, Kletterbäume und Kegelbahnen. In kleinen Buden schenken Wirtsleute Bier aus.

1819: Zum ersten Mal veranstaltet die Stadt München das Oktoberfest, in den Jahren zuvor organisieren und finanzieren Privatleute das Fest.

König Ludwig I. von Bayern1835: König Ludwig I. von Bayern und Königin Therese feiern Silberhochzeit. Zu ihren Ehren ziehen Trachtengruppen in einem festlichen Umzug durch München.

1850: Die Bavaria, eine 20 Meter hohe Bronzestatue der Schutzpatronin Bayerns, errichtet vom Bildhauer Ludwig Schwanthaler, erhält auf dem Hang oberhalb der Theresienwiese ihren Thron und wacht seitdem über die Wiesn.

Bavaria-Statue mit Ruhmeshalle auf der Theresienwiese1853: Nach 10 Jahren Bauzeit unter der Leitung des klassizistischen Architekten Leo von Klenze wird die Ruhmeshalle zu Füßen der Bavaria-Statue fertig gestellt. Sie beherbergt zur Eröffnung 74 Büsten von zu ehrenden Personen. Auftraggeber des Ensembles ist König Ludwig I. von Bayern mit der Absicht, die „Baiern aller Stämme“ in einem bayrischen Nationaldenkmal zu ehren.

1854: Das Oktoberfest fällt wegen der Cholera-Epidemie aus, die in München grassiert.

1860er: Die Wirte führen Spiele wie Schubkarrenrennen, Sacklaufen, Würstelschnappen, Mus-Essen und das beliebte „Baumsteigen“, bei dem die jungen Männer an einem kahl geschälten Baum hinauf klettern müssen, zur Belustigung ihrer Gäste ein.

1866: Bayern kämpft im Preußisch-Österreichischen Krieg auf der Seite der Donaumonarchie. Es findet kein Oktoberfest statt, obwohl beide Seiten bereits im August des Jahres Frieden schlossen.

1867: Michael Schottenhamel eröffnet sein „Oktoberfest-Restaurant“, eine kleine Bretterbude, die Plätze für 50 Gäste bereithält. Wer hätte damals gedacht, dass sich der Familienbetrieb bis heute durch das legendäre Anstechen des Münchner Oberbürgermeisters zum bedeutendsten Zelt auf der Wiesn entwickelt?

1869: Das „Original-Zauber-Spezialitäten-Theater“, auch bekannt als „Der Schichtl“ (nach seinem Gründer Michael August Schichtl) öffnet erstmalig seine Pforten und erfreut seitdem jährlich sein Publikum mit Zaubereien, Illusionen und der legendären Hinrichtung einer lebendigen Person durch die Guillotine.

1870: Der Deutsch-Französische Krieg, bei dem die Bayern wiederum an Preußens Seite gegen das Kaiserreich Frankreich kämpfen, verhindert erneut ein festliches Beisammensein auf der Wiesn.

1873: Das Oktoberfest fällt aufgrund der zweiten Cholera-Epidemie aus.

1872: Die Wiesn avanciert zum Volksfest und wird wegen des schönen warmen „Altweibersommers“ erstmalig auf die letzten Tage im September vorverlegt. Lediglich das letzte Wiesn-Wochenende, das seitdem auf das erste Oktoberwochenende fällt, gibt dem Namen Oktoberfest seine Berechtigung.

1876: Das Schützenfestzelt feiert Premiere und zählt damit als zweitälteste Festhalle auf der Wiesn.

Riesenrad1880: Die Wiesn erhält eine neue Besucherattraktion: Ein Riesenrad mit einer Höhe von 12 Metern bezaubert Groß und Klein.

1881: Die erste Hendlbraterei preist seine Leckereien an. Auch ganze Ochsen landen auf dem Grill – eine „Seltene Volksbelustigung auf der Theresienwiese“ wie es im Werbetext der „Mechanischen Ochsenbraterei“ des Metzgers Johann Rössler heißt. Zeitgleich erleuchten die über 400 Buden und Zelte zum ersten Mal mittels Elektrizität.

Einzug der Wiesn-Wirte1887: Zum ersten Mal ziehen die Wirte und Schausteller gemeinsam in einem Zug zur Wiesn, die zu dieser Zeit noch vor den Toren der Stadt München liegt. Sie begründen damit den offiziellen Auftakt des Oktoberfests, das seitdem mit dem festlichen Einzug der Wiesnwirte, angeführt vom Münchner Kindl und dem amtierenden Oberbürgermeister, beginnt. Die Brauereien fahren mit ihren prachtvollen Pferdegespannen ein, die Wirte und Schausteller auf prächtig geschmückten Kutschen. Die Musikkapellen der Festzelte begleiten den Festzug stimmungsvoll.

1892: Die Wiesn-Wirte ersetzen den steinernen Maßkrug durch einen Krug aus Glas.

1893: Die Ochsenbraterei ist nach einem elfjährigen Gastspiel nicht mehr auf der Wiesn vertreten. Zu große Auflagen, wie der Bedarf einer festen Bude zum Bierausschank und Toiletten, die zwingend vorhanden sein müssen, kann der Wirt auf finanziellen Gründen nicht erfüllen.

1894: Der Amerikaner Harris Wheels bringt die Hexenschaukel aus seinem Heimatland nach Bayern aufs Oktoberfest. Es handelt sich dabei um zwei gegenüberliegende Sitzbänke, die bei den Fahrgästen durch die Schaukelbewegung die Illusion erwecken, als würden sie sich mehrfach überschlagen. Die Hexenschaukel reist heute aufgrund ihrer aufwendigen Pflegebedürftigkeit als Antiquität nicht mehr von Volksfest zu Volksfest, sondern fasziniert ihre Gäste nur noch auf dem Oktoberfest.

1895: Der zweite schmuckvolle Trachtenumzug der Geschichte mit 1.400 Teilnehmern zieht zur Wiesn. Gleichzeitig stellt die Armbrustschützen-Gilde „Winzerer Fähndl“ ihr erstes Zelt auf der Wiesn auf – zur Austragung von Meisterschaften und zur Bewirtung der Armbrustschützen und Besuchern.

1898: Die Ochsenbraterei ist auf ausdrücklichen Wunsch des Münchner Magistrats wieder auf dem Oktoberfest und kann seitdem die Tradition des für die Besucher spektakulären Ochsenbratens bis heute fortführen.

1901: Festwirt Alois Wohlmuth betreibt die Bräurosl-Festhalle der Pschorr-Brauerei. Bereits in diesem Jahr erstrahlt das Zelt in elektrischem Licht.

1902: Der Wirt Carl Gabriel eröffnet das Hippodrom und sorgt neben leiblichem Wohl auch für die Belustigung seiner Gäste mit einer 25 Pferde starken Reitbahn, bei der jeder nach Belieben seine Reitkünste testen kann.

Wiesn_Toboggan1906: Die Besucher des Oktoberfests können sich an einer Neuheit aus Amerika erfreuen. Der Toboggan, eine riesige Turmrutschbahn, die man über ein acht Meter langes laufendes Förderband erreicht. 1908 stehen gleich drei dieser Rutschen auf dem Festgelände. Der heutige Toboggan stammt aus dem Jahr 1920 und befindet sich seit 1933 als Familienbetrieb jährlich auf dem Oktoberfest.

1909: Der Münchner Schausteller Max Stehbeck präsentiert auf der Wiesn die erste transportable Figur-8-Bahn der Welt – ein Vorreiter heutiger Achterbahnen, die damals wegen ihrer Form diesen Namen führt.

Maßkrüge 1910: Zum 100. Jubiläum wird ein erster Bierrekord aufgestellt mit 12.000 Hektoliter getrunkenem Gerstensaft. Im gleichen Jahr sorgt „Feldl`s Teufelrad“ bei den Besuchern für eine Riesen-Gaudi, wenn der „Rekommandeur“ die Wagemutigen, die sich auf dem drehenden Rad zu halten versuchen, verbal mit derben bayrischen Sprüchen zusetzt. Heute ist das Teufelsrad immer noch eine beliebte Attraktion – für waghalsige Amateur-Stuntmen gleichermaßen wie für die Zuschauer.

1912: Der Chemnitzer Bernhard Dittrich verfasst den Trinkspruch des Oktoberfests „Ein Prosit der Gemütlichkeit – Oans, zwoa, drei, gsuffa!“

1913: Rund 12.000 Gäste finden im größten Zelt aller Zeiten, dem Pschorr-Bräurosl-Zelt unter der Leitung von Festwirt August Sexauer, Platz zum Feiern.

1914 bis 1918: Wegen des ersten Weltkriegs fällt das Oktoberfest in diesen Jahren aus.

1919 und 1920: Nach dem Krieg beschränken sich die Feierlichkeiten auf ein kleines „Herbstfest“.

1923 und 1924: Erneut muss die Wiesn abgesagt werden, die Inflation nach dem Krieg lässt der Stadt München keine Möglichkeit zur Organisation des Oktoberfests.

1928: Die „Original Pitt`s Todeswand“ stellt erstmalig ihre waghalsige Motorsportschau aus. Die Stuntmänner geben bis heute ihre fesselnden Verfolgungsjagden und atemberaubende Artistik mit den Motorrädern und Go-Karts an der acht Meter hohen Steilwand zum Besten. Die „Original Pitt`s Todeswand“ ist heute noch ein Besuchermagnet. Die Holzkonstruktion ist übrigens noch die gleiche, die bereits im Jahr 1934 Raum für Motor-Akrobatik bot – bestens restauriert natürlich.

1935: Im Armbrustschützenzelt werden zum ersten Mal die Deutschen Armbrust-Meisterschaften ausgetragen, die bis heute ihre Tradition fortführen.

1938: Der Schausteller Michael Großmann stellt erstmalig seine elektromechanisch angetriebene Krinoline auf. Mitte der 1920er Jahre ist er bereits mit dem Rundkarussell auf Volksfesten unterwegs, zu dieser Zeit bezieht das Fahrgeschäft seine Energie allerdings noch aus reiner Muskelkraft. Bis heute erstrahlt die Krinoline in historischem Gewand und Live-Musik einer Blaskapelle.

1939 bis 1945: Während des Zweiten Weltkriegs setzt das Oktoberfest ersatzlos aus.

1946 bis 1948: Auch in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg feiern die Münchner nur im Rahmen des kleineren „Herbstfests“. Ab dieser Zeit findet – mit Ausnahme der 150. Wiesn – kein Pferderennen mehr statt.

1948: Der „Flohcircus Mathes“ tritt zum ersten Mal auf dem Oktoberfest auf. Bis heute erfreut er Groß und Klein mit seinem 60 Floh-starken Artisten-Ensemble.

1949: Zur ersten „richtigen“ Wiesn nach dem Krieg sind bereits drei Wirte wieder mit Festhallen vertreten: Die Augustiner- und die Hackerbrauerei sowie der Schottenhamel. Die Maß kostet 1,70 Mark.

1950: Der amtierende Münchner Oberbürgermeister Thomas Wimmer eröffnet die Wiesn feierlich mit dem Anstich des ersten „Hirschen“ (hölzernes 200-Liter-Bierfaß) und leitet damit das traditionelle und heute weltberühmte „Ozapfen“ ein. Thomas Wimmer benötigt seinerzeit noch 19 Schläge zum Anzapfen, die Bestleistung des derzeit amtierenden OBs Christian Ude liegt bei 2 Schlägen.
Im gleichen Jahr wird zum dritten Mal nach 1835 und 1895 ein Trachtenumzug abgehalten, dieser findet ab 1950 jährlich statt und zählt heute mit seinen 8.000 Teilnehmern zu den größten Umzügen der Welt.

Beliebte Attraktion auf dem Oktoberfest: die Schießbuden1950er Jahre: Das Münchner Oktoberfest entwickelt sich zum größten Volksfest der Welt.

1952: Erstmalig gibt es ein offizielles Plakat zum Münchner Oktoberfest. Seitdem ruft die Stadt München für die Gestaltung des Wiesnplakats einen Wettbewerb aus.

1954: Das Oktoberfest erfährt einen wahren Massenandrang: Über 70 Sonderzüge der Bundesbahn und knapp 1.000 Omnibusse befördern feierlustige Gäste von nah und fern nach München. Die Gesamtbesucherzahl beläuft sich auf 5,5 Millionen Menschen.

1955: Das staatliche Hofbräuhaus eröffnet auf dem Oktoberfest eine Bier-Halle, der Vorläufer des heutigen Hofbräu-Festzelts.

1956: Auf dem Oktoberfest zelebriert die Katholische Circus- und Schaustellersorge erstmals einen ökumenischer Gottesdienst für die Schausteller. Bis heute hat sich diese Tradition bewahrt  – bei dem jährlich zelebrierten Gottesdienst im Hippodrom-Zelt werden Alltagsthemen der Schausteller angesprochen und ihrer verstorbenen Verwandten und Freunde gedacht.

1959: Der millionste Bürger Münchens, der einjährige Thomas Seehaus (*14. Juni 1958) besucht mit seinen Eltern das Oktoberfest und darf in der Stadtratsboxe neben Oberbürgermeister Thomas Wimmer sitzen.

1960: Mit einem Pferderennen in Anlehnung an das allererste Oktoberfest feiern die Münchner das 150. Jubiläum.

1971: Das Münchner Feinkost-Haus Käfer empfängt erstmals Gäste in seiner Wiesn-Schänke. Aus den damals 40 Plätzen sind mittlerweile 3.000 Plätze für Besucher geworden. Die Bierpreise legen ab jetzt die Wiesn-Wirte selbst fest, es gibt daher Abweichungen zwischen den einzelnen Festzelten (2,50 – 2,95 DM). Zuvor definierte die Stadt München den Bierpreis.

1978: Premiere für den begehrten Wiesn-Sammlerkrug, der nun jährlich in limitierter Auflage erscheint.  

1979: Das „Willenborgs Riesenrad“ mit einer Höhe von 48 Metern wird auf dem Festgelände aufgestellt. Es zählt bis heute zu den beliebtesten Attraktionen des Oktoberfests.

Wiesn_Mahnmal1980: Am 26. September explodiert eine Rohrbombe in einem Papierkorb am Haupteingang des Oktoberfests. 13 Menschen sterben, über 200 erleiden mitunter sehr schwere Verletzungen. Das Oktoberfest-Attentat zählt zu den schwersten Anschlägen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Trotz des Anschlags beschließt der Stadtrat aus wirtschaftlichen Gründen, das Oktoberfest nicht abzusagen. Der Betrieb ruht lediglich einen Tag. Ein Mahnmal am Haupteingang des Oktoberfests erinnert bis heute an das Attentat.

1984: Die Familie Kuffler beschließt, die Tradition des Wein-Ausschankes aus der Anfangszeit des Oktoberfestes mit dem „Kuffler`s Weinzelt“ aufzunehmen.

1985: Das Oktoberfest jährt sich zum 175. Mal seit dem Jahr 1810. Grund genug für die 7,1 Millionen Geburtstagsgäste, diesem Jubiläum einen neuen Besucherrekord zu bescheren, wenngleich es eigentlich nur das 151. Fest ist, da 24 Oktoberfeste seit Bestehen ausgefallen sind.

Der beliebte Fünfer-Looping auf dem Oktoberfest München1989: Der Olympia Looping, bekannt als „Fünfer Looping“, lässt erstmals seine Waggons mit 100 km/h durch die fünf Olympia-Ringe sausen. Die Achterbahn mit den 1.250 Metern Länge ist zu der Zeit eine wahre Sensation, bisher gibt es nur Bahnen mit höchstens drei Loopings. Der Olympia-Looping ist auch heute eine der Besucherattraktionen und gilt als die größte mobile Achterbahn der Welt.

1993: Christian Ude tritt sein Amt als Münchner Oberbürgermeister an und startet seine Wiesn-Anstich-Karriere mit sieben Schlägen.

1995: Bereits in seinem zweiten Amtsjahr passiert Oberbürgermeister Christian Ude dieser Fauxpas: er zapft zehn Sekunden vor 12.00 Uhr an – die Münchner verzeihen ihm diese Nachlässigkeit und bejubeln ihn kurz darauf nach seinem Ausruf „O`zapft is“

2001: Wegen des Anschlags vom 11. September entfallen der Wiesn-Anstich, der Einzug der Wiesnwirte und das Feuerwerk. Das Oktoberfest beginnt ohne großes Medien-Spektakel und in gedämpfter Stimmung aus Rücksicht auf die Opfer der Tragödie.

2002: Bei der Umstellung auf den Euro kostet die Maß Bier zwischen 6,30 € und 6,80 € (im Vergleich 2001: 11,70 – 12,80 DM). Im gleichen Jahr setzt sich der Reporter des Bayrischen Fernsehens und Wiesn-Urgestein Michael Stiegler zur Ruhe, nachdem er fast 40 Jahre lang den Wiesn-Anstich als Zeremonienmeister im Schottenhamel-Zelt moderierte und die Oberbürgermeister Erich Kiesl, Georg Kronawitter, Hans-Jochen Vogel und Christian Ude bei ihrem „wichtigsten“ Termin des Jahres begleitete. 2003 stirbt Michael Stiegler im Alter von 70 Jahren.

Münchner Oberbürgermeister Christian Ude2005: Der Film „Oktoberfest“ mit Barbara Rudnik (als Wiesn-Bedienung) und August Schmölzer (untreuer Ehemann und Musiker) in den Hauptrollen kommt in die deutschen Kinos. Im gleichen Jahr gelingt Oberbürgermeister Christian Ude der Rekord: er benötigt nur zwei Schläge zum Anzapfen

2006: Der Tag der deutschen Einheit fällt auf einen Dienstag, die Stadt beschließt, diese wirtschaftlich günstige Gelegenheit zu nutzen und verlängert das Fest um zwei Tage bis Dienstag, 3. Oktober. Den Feierlustigen kommt es sicherlich auch gelegen.

2007: Der bayrische Tatort „A gmahde Wiesn“ erzählt von einem Konflikt zwischen Schaustellern und Wirten in der Vorbereitungsphase für das Oktoberfest, bei dem ein Münchner Stadtrat ums Leben kommt. Die Kommissare Miroslav Nemec alias Ivo Batic, Udo Wachtveitl alias Franz Leitmayr und Michael Fitz alias Carlo Menzinger ermitteln im Wiesn-Umfeld und dürfen für die Dreharbeiten den Aufbau des Volksfestes live miterleben.

2008: Zum ersten Mal in der Geschichte ist das Gelände während des Aufbaus zum Oktoberfest für die Öffentlichkeit gesperrt, die beliebten Schmankerl der Wiesn-Kantinen für die Allgemeinheit gehören daher der Vergangenheit an. Im gleichen Jahr spaltet die Rauchverbot-Diskussion die Nation. Die Wiesn wird zur großen Ausnahme erklärt und kommt mit einem blauen Auge davon – wegen Sicherheitsbedenken gilt das Rauchverbot nicht in den Festzelten.

2009: Die Wiesn jährt sich zum 199. Mal, das Rauchverbot ist offiziell aufgehoben und die Maß Bier kostet unglaubliche 8,10 – 8,60 €.

Impressionen vom Oktoberfest München 

© Sandra Ilmberger, 2009

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