Rezension Buch-Dreiteiler: „Die Mütter-Mafia“, „Die Patin“ & „Gegensätze ziehen sich aus“ von Kerstin Gier
27. Mai 2009
Die Pfingstferien stehen von der Tür, der Sommerurlaub naht und wir freuen uns auf unzählige Stunden Faulenzen am Badesee und gemütliches Sonnenbaden am Mittelmeer-Strand. Die Bikinis werden aus ihrem Winterlager im Schrank hervor gekramt, die Bastmatten zu Recht gelegt und die Sommerlektüre liegt ganz oben auf.
Hier ein Buchtipp von Elfenzauber: Der Dreiteiler rund um die Mütter-Mafia sollte in keiner Strandtasche fehlen.
Die Mütter-Mafia – Frech, chaotisch, irrwitzig
Constanze ist Anfang dreißig, ohne Job, Mutter von zwei Kindern – und frisch geschieden. Als sie von ihrer „Auszeit“ bei ihren Eltern zurückkommt, hat ihr Ex-Mann bereits ihre Sachen gepackt, die neue Freundin ist eingezogen, die Kinder warten zur Abholung bereit vor der Tür. Doch wohin auf die Schnelle? Ihr Ex-Mann spielt den großen Wohltäter und bietet ihr das Haus seiner verstorbenen Eltern an, das er bereits für sie und die Kinder hergerichtet hat. Gesagt getan, findet sich Constanze mit ihrem 4-jährigen Sohn Julius und der pubertierenden Tochter Nelly in einem Alptraum wieder: das Haus der Ex-Schwiegereltern gleicht einem Museum für 70er Jahre Mahagoni-Innenarchitektur, den Mief der letzten 30 Jahre inklusive. Und das mitten in einer gediegenen Vorstadt-Siedlung, in der es von Vorzeige-Familien, Muster-Kindern und Super-Mamis nur so wimmelt. Eine Hetzjagd voller Nachbarschaftsintrigen, Kindergarten-Streitigkeiten und Mütter-Konkurrenz entflammt. Zusammen mit ihren gleichermaßen chaotischen Freundinnen Anne und Mimi gründet Constanze die streng geheime Mütter-Mafia. Denn nur wer Mitglied der Mütter-Mafia ist, kann in dieser vermeintlichen Bilderbuch-Siedlung überleben.
Kerstin Gier schafft mit ihrer Komödie „Die Mütter-Mafia“ den perfekten Auftakt zu einer dreiteiligen Serie rund um die planlose, dafür aufrichtige und ehrliche Hauptdarstellerin Constanze, die eines anstrebt: die moderne Super-Mami zu sein, die ihr perfektes Eheleben, den karriereträchtigen Job und die Erziehung ihrer hochbegabten Muster-Kinder stets mit einem Lächeln im Gesicht locker unter einen Hut bringt. Doch darin liegt das größte Problem von Constanze: die Ehe ist kaputt, der Job nicht vorhanden, die Kinder sind chaotisch. Die Zugehörigkeit zur Vorstadt-Musterfamilien-Elite scheint von vornherein gescheitert. Eine Kombination, die herzhaft zum Dauerschmunzeln verführt. Die von Pannen nur so heimgesuchte Protagonistin mit ihren zuckersüßen Quälgeister-Kindern wächst dem Leser zusehends ans Herz und die Darstellung der Übermütter aus der Siedlung läst einem die Tränen vor Lachen in die Augen treiben. Zumal einen diese Charaktere extrem an die Mamis aus der eigenen Nachbarschaft und dem Bekanntenkreis erinnern. Und wenn wir mal ganz ehrlich sind, kennt jeder von uns so ein hochbegabtes Kind, dass auf „Wunsch“ der stolzen Eltern beim sonntäglichen Kaffeekränzchen der Oma ein Ständchen ins Gesicht trällert oder mit seinen Schmierfingern ein entzückendes Familienportrait zaubert….auf dass sie alle ein zweiter Mozart oder Picasso werden.
Die Patin – jetzt geht`s erst richtig los
Im zweiten Band der Trilogie „Die Patin“ geht das Verwirrspiel um die Liebe so richtig los. Constanze verliebt sich ausgerechnet in ihren Scheidungsanwalt Anton, einen gut aussehenden, extrem erfolgreichen Karrieretyp aus reichem Hause, der selbst geschieden und allein erziehender Vater ist. Nun heißt es für Constanze, um die Gunst der Schwiegermama in spe und der verwöhnten kleinen Tochter zu kämpfen – natürlich dürfen die eigenen Kinder nicht zu kommen. Als Patin der Mütter-Mafia geht Constanze neben ihren Aufgaben als Mami zahlreichen nachbarschaftlichen Verpflichtungen nach. So kümmert sie sich um fremdgehende Ehemänner, kämpft um das Sorgerecht geprellte Bekannte und erledigt intrigante Super-Muttis – mit den Waffen einer Frau. Auch in „Die Patin“ gelingt es Kerstin Gier, die charmante, witzige und bissige Schreibweise aus Band 1 zu erhalten und die liebenswerten Charaktere weiter auszubauen. Ein gelungener zweiter Band, an dessen Ende man sich auf die Weiterführung der von Missverständnissen geprägten Liebesbeziehung zu Anton freut.
Gegensätze ziehen sich aus – Happy End auf Umwegen?
Der Leidensweg der Liebe geht auch im letzten Band „Gegensätze ziehen sich aus“ seinen eigenen urkomischen Weg. Constanze und Anton haben in Sachen gemeinsame Zukunft verschiedene Ansichten und auch ihre Kinder begegnen dem Gedanken einer Patchwork-Familie auf ihre sehr kindlich biestige Weise. Was also tun, wenn einem das private Liebes- und Familienglück verwehrt bleibt? Es gibt etwas, dass allen Frauen in dieser Situation hilft: Schuhe! Nicht ein Paar! Ein ganzer Laden voll…diesen nämlich gründet Constanze kurzerhand mit ihren Freundinnen der Mütter-Mafia. Im „Pumps und Pomps“ gibt es also ab nun die schönsten Schuhe, den leckersten Cappuccino und die besten Tipps in Herzensangelegenheiten der Mütter-Mafia aus erster Hand. Doch schafft Constanze es, ihre eigene Herzensangelegenheit in die richtige Richtung zu bringen? Oder muss sie am Ende einsehen, dass die Liebe zu Anton den Anforderungen einer Patchwork-Familie nicht gewachsen ist? Lest selbst, wie die liebenswerte Blondine ihren Lebensweg meistert.
Die drei Bände der Mütter-Mafia sind mit ihrer liebenswert-bissigen und frechen Sprache die perfekte Urlaubslektüre. Kurzweilig, unterhaltsam, erfrischend. Man fühlt sich ertappt durch Situation, die jeder selbst kennt, schmunzelt über die Fettnäppchen der Hauptdarsteller und nimmt dankend zur Kenntnis, dass das eigene Leben bisweilen nicht so chaotisch ist wie das anderer. Ein besonderes Schmankerl durchzieht alle drei Romane: Zwischen den Kapiteln finden sich regelmäßig die Forums-Einträge von der Website der intriganten Müttervereinigung aus der Vorstadt-Siedlung sowie in Band 2 und 3 die Email-Anfragen und Antworten der Patin/Mütter-Mafia – bissig, amüsant…und so köstlich nah an der Wahrheit!!
Und hier im Überblick:
„Die Mütter-Mafia“ von Kerstin Gier, erschienen 2005 im Lübbe Verlag (Taschenbuch, 320 Seiten), 7,95 €
„Die Patin“ von Kerstin Gier, erschienen 2006 im Lübbe Verlag (Taschenbuch, 320 Seiten), 7,95 €
„Gegensätze ziehen sich aus“ von Kerstin Gier, erschienen 2008 im Lübbe Verlag (Taschenbuch, 288 Seiten), 7,95 €
© Sandra Ilmberger, 2009
Entry Filed under: Elfenlektüre - Zauberhaftes zum Lesen. Schlagworte: Bastei Lübbe Verlag, Buchtipp, Die Mütter-Mafia, Die Patin, Gegensätze ziehen sich aus, Kerstin Gier, Pfingstferien, Rezension, Sommerurlaub, Taschenbuch.


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