Buchrezension: Das Tagebuch des Teufels (von Nicholas D. Satan) – Teuflisch gut & höllisch cool
24. Mai 2009
Schwarzer Humor vom Feinsten: Das neu erschienene Buch „Das Tagebuch des Teufels“ in edler Höllen-Optik beschert dem Leser schaurig gute Laune. Denn in seinem Tagebuch beschreibt Luzifer höchstpersönlich große Ereignisse der Weltgeschichte aus seiner Sicht…war ja klar, dass er die Finger im Spiel hatte bei den großen Plagen der Menschheitsgeschichte. Doch wie kam es dazu?
Als Assistenz-Erzengel und Diener Gottes gescheitert, flog er hochkant aus dem Unternehmen des Herrn. Durch eine Portion Frust und Rachegefühle seines früheren Chefs gegenüber funkt der Teufel dem Herrgott bei dessen Schöpfungsprojekt gehörig dazwischen. Dem Licht Gottes begegnet er mit Dunkelheit, den Vögeln und Fischen des Schöpfers stellt er Geier und Quallen zur Seite. Nach sieben erfolgreichen Tagen entschließt Nicholas D. Satan, sich selbständig zu machen und gründet kurzerhand seine Firma „Unterwelt“.
Zu Beginn ist er vollständig mit dem Rekrutieren sündiger Seelen und dem Aufbau seiner Marketing-Abteilung beschäftigt und muss kleinere Rückschläge gegenüber Gott hinnehmen. Zum Beispiel gelingt es ihm nicht, seine Lieblingshobbys Wollust, Völlerei, Habgier, Faulheit, Zorn, Neid und Hochmut als Freizeitgestaltung zu etablieren, da sein Widersacher diese als die sieben Sünden am Markt einführt.
Doch im Laufe der Zeit schlägt er seinem Ex-Chef immer häufiger Schnippchen. So erfindet Satan für Adam und Eva die Verführung, verbindet sich mit den Babyloniern und erfindet die 10 Gebote des Bösen. Mit dem Projekt „J“ (Jesus) landet Gott zwischenzeitlich einen großen Coup, doch dank der Bestechlichkeit von Pontius Pilatus gelingt es auch hier dem Höllenherrscher die Geschichte zum Bösen zu wenden. Wir erfahren auf humorvollste Weise von seiner Zusammenarbeit mit den Hunnen, seinen Hass auf verlogene Teufelsanbeter, die sich nicht an seine Philosophie halten und treffen im Laufe der Geschichte immer wieder Persönlichkeiten, die sich mit dem Teufel verbündet haben und in seinem Auftrag handeln, beispielsweise Dschingis Khan, Jack the Ripper und Bill Gates. Letzterem – in Satans Augen ein phantasieloser Langeweiler – musste er einige Höllen-Angestellte zur Seite stellen, die mit nicht kompatiblen Software-Versionen und „unkalkulierbaren Absturzmechanismen“ dafür sorgten, dass Gates groß raus kommt (ein Zugeständnis Satans an Gates für das Überlassen seiner Seele).
In diesen Tagen jedoch plagt den Fürst der Finsternis ein großes Problem: Seine Vorhaben „Irak, Afghanistan & Klimawandel“ scheinen in Gefahr zu sein, da sein größter Verbündeter GWB seinen Posten abgeben musste an einen Spielverderber namens Obama, der die Spielregeln nicht kennt und zu allem Übel auch noch talentierte Leute auf dem besten Weg zur Hölle plötzlich für die helle Seite der Macht gewinnt!
Mit seinem Tagebuch verübt der Teufel einen Anschlag auf unsere Lachmuskeln. Genau die richtige Lektüre, um sich beim Sonnenbaden köstlich zu amüsieren. Und dabei ist das Tagebuch auch optisch ein echter Hingucker. Von außen sichtlich den Spuren des Höllenfeuers ausgesetzt, präsentiert sich das Büchlein auf hochwertigem Fotopapier mit goldenem Buchschnitt und einem blutroten Lesebändchen. Der Autor, der vorgibt, ein Wissenschaftler zu sein und durch enge Zusammenarbeit mit dem Fürst der Finsternis das alleinige Recht an der Veröffentlichung zu haben, hat in „liebevoller“ Kleinarbeit handschriftliche Einträge zusammengetragen, die u.a. Originalskizzen Luzifers enthalten. Die Seiten wirken mitunter recht lädiert durch Ansengen des Papiers, Blutspritzer und Kaffeeränder – kann ja mal vorkommen, wenn man bedenkt dass man hier das Teufelswerk mehrerer tausend Jahre in den Händen hält.
Erweitert durch gedruckte Nachträge aus dem Original (da sind wohl einige Seiten dem Feuer zum Opfer gefallen), Illustrationen und Notizzettel ist es alles in allem ein wunderschön gestaltetes Buch, das Euch während der sengenden Sommerhitze ein paar coole Stunden beschert. Und wer sich vom Herrscher des Bösen überzeugen lässt, kann auch gleich seine Seele dem Teufel verkaufen und den beigefügten Standard-Pakt unterzeichnen – mit Blut versteht sich.
Das Tagebuch des Teufels (gebundene Ausgabe) von Nicholas D. Satan erschienen im Eichborn Verlag (März 2009, 160 Seiten), 12,95 €
© Sandra Ilmberger, 2009
Entry Filed under: Elfenlektüre - Zauberhaftes zum Lesen. Schlagworte: Barack Obama, Bill Gates, Das Tagebuch des Teufels, Hölle, Klimawandel, Luzifer, Nicholas D. Satan, Rezension, Teufel, Weltgeschichte.
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1.
drenegadt | 21. Juni 2009 at 11:56
Hallo Elfenzauberin,
Ich hab das Buch auch gelesen und finde es ebenfalls diabolisch gut. Es gelingt dem Autoren weitgehend der Eiertanz, für die (meisten) vergangenen Weltkatastrophen grade zu stehen, ohne dass man ihm es übermäßig verübeln will. Am Ende merkt man zwar, dass das Buch doch ein amerikanischer Autor verfasste, weil die letzen paar hundert Jahre teils sehr aus dem Blickwinkel drüberhalb des Atlantiks beobachtet scheinen. Weiter schlimm ist das aber nicht, zumal die vielen Tausende von Jahren zuvor Amerika ja keine Rolle spielte.
ganz schön teuflisches Thema für eine Seite einer süßen Märchenfee.
Bei mir bleibt nach dem Lesen die Erkenntnis zurück: der Teufel ist eben auch nur ein Mensch… so irgendwie zumindest!
Sehr schöne Rezension auf jeden Fall.
Liebste Grüße