Eine kleine Teegeschichte

2. März 2009

Woher kommt unser Tee eigentlich? Wir blicken auf eine fast 5.000 Jahre lange Geschichte zurück, die sowohl die gesellschaftliche wie auch wirtschaftliche Entwicklung in Asien, Europa und Amerika maßgeblich beeinflusste.

Zurück zu den Ursprüngen

Kaiser Shen Nung Einer Legende nach wurde Tee um ca. 2.700 v. Chr. vom chinesischen Kaiser Shen Nung erfunden, besser gesagt gefunden. Jener nämlich war ein äußerst hygienischer Mensch und ließ daher sein Trinkwasser stets abkochen. Ein Windstoß wehte wohl einige Teeblätter von einer wild wachsenden Teepflanze in den Kessel mit dem kochenden Wasser, welches dadurch eine goldene Farbe und ein wunderbares Aroma annahm. Der Kaiser kostete sein Getränk und war sehr angetan von dem erfrischenden Geschmack. Tee entwickelte sich daraufhin zum Hauptgetränk im chinesischen Reich.

Es dauerte nunmehr über 3.000 Jahre, als nämlich 552 n. Chr. buddhistische Mönche das Wissen um die Teezubereitung nach Japan überbrachten. Die Japaner brachten dem Tee eine fast religiöse Verehrung entgegen und legten den Teegenuss in der sogenannten „japanischen Teezeremonie“ fest. Dieser bis ins Detail streng festgelegten Zeremonie liegt die Philosophie des Zen-Buddhismus zugrunde, bei der ein Gastgeber in seinem Teehaus den Gästen bei Tee und leichten Speisen die Möglichkeit zur inneren Einkunft bietet.

Etwa weitere 100 Jahre später war Tee in China eine verbreitete Handelsware und hielt somit Einzug in alle Gesellschaftsschichten.

Der Weg des Tees nach Europa und in die Neue Welt

Hauptquartier der East India Company in London1610 importierten die Holländer erstmals Tee mit Segelschiffen über ihre Kolonie Java nach Europa. Ca. 50 Jahre später stiegen die Engländer, die direkten Zugang nach China hatten, in den Teehandel ein und sicherten sich mit der Gründung der East India Company eine über 150 Jahre andauernde Monopolstellung für Tee-Importe auf dem Seeweg. (Im Bild ist das Hauptquartier der East India Company in London zu sehen.)

Ab Mitte des 17. Jahrhunderts wurde Tee auch auf dem Landweg nach Europa eingeführt. Handels-Karawanen zogen von Peking aus durch die Mongolei, über Sibirien und das russische Reich bis in den Westen. Dieser Karawanentee war bis ins 19. Jahrhundert sehr begehrt, denn im Gegensatz zum neun Monate andauernden Transport in den miefigen, feuchten und geteerten Lagerräumen der Schiffe der East India Company, behielt er bis zum Verzehr seine hohe Qualität.

Boston Tea PartyEnglische Einwanderer brachten den Tee, der zu dieser Zeit durch die offizielle Einführung der Teestunde am englischen Königshof gesellschaftsfähig wurde, nach Amerika. Auch hier fand das Getränk rasch große Beliebtheit. Zumindest bis England, finanziell gebeutelt durch Kriege, eine hohe Steuer auf die Importware Tee einführte. Die Bevölkerung der Neuen Welt war darüber so erzürnt, dass sie im Dezember 1773 die Schiffe der East India Company enterten und die komplette Ladung Tee über Bord warfen. Dieses Ereignis, das den Beginn der Befreiungskriege gegenüber der englischen Kolonialherrschaft einläutete, ging ironischer Weise als „Boston Tea Party“ in die Geschichte ein.

Nach Deutschland kam der Tee in diesen Jahren über die Niederlande zunächst nach Ostfriesland. Eine Handelssperre der Engländer zwang die Holländer, sich in Ostfriesland niederzulassen, 300 ihrer Schiffe fuhren seitdem unter ostfriesischer Flagge. In Ostfriesland entwickelte sich eine eigene Teekultur und förderte damit weiter die Beliebtheit des exotischen Getränks in Deutschland.

Teehandel im modernen Zeitalter

Der Teeclipper "Cutty Sark"Seit den 1830er Jahren wurde der Tee-Anbau und -Handel auch in Indien (Ceylon) durch die Kolonialmächte in großem Rahmen betrieben. Durch das mittlerweile unabhängig gewordene Amerika bekam die englische Handelsschifffahrt immense Konkurrenz und auch andere Nationen, darunter Deutschland, stiegen in den Teehandel ein. Schnelle Schiffe mit noch größeren Lagerräumen wurden dringend benötigt und mit dem Bau viermastiger Segelschiffe, sogenannter „Teeclipper“ blieb die englische Handelsflotte konkurrenzfähig. 1869 lief der wohl berühmteste und schnellste Teeclipper, die „Cutty Sark“ (zu deutsch: „kurzes Hemd/Negligé“ der Galionsfigur Nannie – einer Hexe aus dem Roman „Tam O`Shanter“ des damals populären, englischen Schriftstellers Robert Burns), vom Stapel. Der Clipper ist heute noch als Museumsschiff im Londoner Stadtteil Greenwich zu besichtigen (in Renovierung bis 2010).

Mit der Eröffnung des Suezkanals im gleichen Jahr wurde der Teetransport auf Dampfschiffe verlagert. Der Seeweg nach England verkürzte sich um über 7.000 km. Das Zeitalter der modernen Handelsschifffahrt war gekommen. Einzig die „Cutty Sark“ konnte durch ihre Schnelligkeit und Wendigkeit mit den Dampfschiffen noch mithalten.

Anfang des 20. Jahrhunderts hatte der New Yorker Tee-Importeur Thomas Sullivan damit begonnen, die Teeproben für seine Kunden in Mullsäckchen statt in Blechdosen zu verpacken, um so die Versandkosten zu senken. Die Kunden tauchten diese Säckchen allerdings direkt in heißes Wasser, im Glauben, dass dies Sullivans Absicht war. Das war die Geburtsstunde des allseits beliebten Teebeutels.

Tanztee in den Goldenen ZwanzigernIn den 1920er Jahren entwickelte sich – gefördert durch den aus Argentinien eingeführten Tango – eine richtige Tanztee-Szene; es war chic zum Tee das Tanzbein zu schwingen.

Im 2. Weltkrieg griff die Firma Teekanne auf die bewährten Mullsäckchen zurück und versorgte auf diese Weise Soldaten mit portionierbarem Tee.

Mit der Erfindung des Teebeutels aus speziellem Filterpapier durch die Firma Teekanne Anfang der 50er Jahre begann der Siegeszug dieser Portionstütchen, die sich bis heute weltweit großer Beliebtheit erfreut. :-)

In den folgenden Artikeln findet Ihr alle wichtigen Teesorten, ihre Wirkung, Zubereitung und Herkunft.

© Sandra Ilmberger, 2009


Entry Filed under: Elfenwissen - Geschichten zur Geschichte, Elfenzauber Tee-Special. Schlagworte: , , , , , , , , , , .

Leave a Comment

Required

Required, hidden

Some HTML allowed:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <pre> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Trackback this post  |  Subscribe to the comments via RSS Feed


Kategorien

Neueste Artikel

Beliebteste Elfen-Beiträge

Zauberhafte Kommentare

drenegadt zu Von Hausgeistern und kleinen…
Krissi & Stefan zu Von Hausgeistern und kleinen…
farbenreich zu Von Hausgeistern und kleinen…
mapa zu Rezept für eine herbstliche…
mapa zu Rezept für ein feuriges Chili …
DenzelWsn zu Anleitung zum Schnitzen eines …
Halloween Rezepte – … zu Rezept für „Beschwipste …
Krissi & Stefan zu Rezept für Obatzda – Bayrische…
drenegadt zu Anleitung zum Schnitzen eines …
Krissi & Stefan zu Rezept für eine herbstliche…

Zauberblick – Bezaubernde Blickfänger

Zauberblick

Zauberblick - Der Foto-Blog von Elfenzauber

RSS Seht hier die neuesten Bilder auf Zauberblick:

Andys Wortgef(l)echt

www.wortgeflecht.eu - Klick mich ;-)

www.wortgeflecht.eu - Klick mich ;-)

Blogroll

Zauber-Klicks

Zauber-Tags

Advent Bier Biergarten Blumen DVD Elfenzauber Elfenzauber Adventskalender Erkältung Früchte Frühstück Gedicht Geschenk Geschenke Geschichte Griechenland Halloween Herbst Kreta Kräuter Kürbis Lapacho Liebe Meer Mineralstoffe Muttertag München Oktoberfest Ostereier Reise Rezept Sachertorte Samaria-Schlucht Sand Sisi Sissi Socken Strand Tagebuch Tee Teebeutel TUI Urlaub Weihnachten Wellness Wiesn

Meta